Reisebegnungen - eine Reise, aber kein Urlaub!

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Hey!
Wenn man sich völlig fertig auf eine Reise begibt und noch zerstörter nachhause kommt, als man los gefahren ist, war das keine gute Reise im klassischen Sinne. Es war eine wertvolle Reise, die ich immer mit mir tragen werde. Von der werde ich immer erzählen, wenn es sich ergibt. Die ich jedem empfehlen werde. Und die am ungünstigensten Zeitpunkt genau richtig kam.
Die Einen waren auf dem Ballermann, wir sind in der Geschichte gereist. An den dunkelsten Ort.  

Bildungsurlaub nennt man das wohl, auch wenn sich das Wort "Urlaub" in diesem Zusammenhang furchtbar anfühlt. Programmpunktnummer 1 war das Konzentrationslager Auschwitz Birkenau. Deshalb haben wir uns für diese Reise angemeldet. Das die Geschichte ein bisschen greifbarer, ein bisschen realer wird, auch wenn's weh tut. Es hat weh getan und ist realer geworden, aber mindestens genauso sehr ist es noch unvorstellbarer geworden. Meine Gedanken dazu habe ich einige Monate später in einem Video veröffentlicht.



Meine besondere Reisebegnung hatte ich schon einen Tag vorher:
Wir haben in Krakau gewohnt. Vor Hitler haben dort ca. 70000 Juden gelebt und heute nicht mal mehr 200. Einigen dürfte das jüdische Viertel aus dem Film "Schindler's Liste" bekannt sein. Die Schindler Fabrik ist heute ein Museum, das sich mehr als lohnt. Man muss sich keinen Text durchlesen, nicht zu hören und trotzdem hinterlässt diese Ausstellung ganz viel.
Wir haben das Museum im Rahmen einer Führung durch das jüdische Viertel in Krakau besucht.

Ich laufe immer am Ende der Gruppe, das hab ich mir so angewöhnt um fotografieren zu können und um mir alles in Ruhe anzugucken, wenn die Sicht wieder frei ist. Auch auf dem jüdischen Friedhof war das so. Bei mir waren eine Freundin und eine Lehrerin. Wir haben geschwiegen. Zum ersten Mal im Leben war mir meine deutsche Sprache unangenehm, ich wollte niemanden damit angreifen. Dass wir eine deutsche Schülergruppe sind, war aber trotzdem leicht zu erkennen, da unser Guide natürlich Deutsch gesprochen hat.
Auf einmal spricht ein alter Mann meine Lehrerin an. Auf Deutsch, aber mit einem starken polnischen Akzent. "Sind Sie aus Deutschland?" "Ja, wir machen eine Studienreise." 

"Herzlich Willkommen! Es freut mich, dass Sie sich für unsere Geschichte interessieren. Das ist wichtig." 

Meine Freundin und ich, wir haben uns angeguckt, uns standen die Tränen in den Augen. Ebenso meiner Lehrerin. Auch jetzt habe ich wieder Tränen in den Augen. Die Stille zwischen uns war sehr schwer.

Ich glaube, dass ich diese Begnung nicht vergessen werde. Auch die anderen beiden nicht. Ich habe von dieser Begnung schon öfters erzählt und immer fällt es mir schwer, auch, weil ich im Gegenüber eine Reaktion sehe in der ich mich wiederfinde.
Trotzdem erzähle ich sie immer gerne. Heute im Rahmen einer Blogparade von heldenwetter.de zum Thema "Reisebegnungen".

Liebe Grüße Katrin

Kommentare:

  1. Vielen Dank für diesen tollen Beitrag zu meiner Blogparade! Und was für eine schöne Begegnung - so fängt Verständigung an :)

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    1. ich hab zu danken, natürlich für diese Parade und dass der Post gut ankommt!

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  2. Das ist eine so unglaublich wertvolle Begegnung. Daneben wirken viele andere so unglaublich banal. Kurz, aber sehr prägnant.
    Anneke ♥

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    1. ja absolut!

      noch was ganz anderes: ich mag deinen Blognamen sehr :)

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KEINE BELEIDIGUNGEN UND ANFRAGEN ZUM THEMA GEGENSEITIGES VERFOLGEN!
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