Brighton & Ich No.6 - #gapyear

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Hey!
Das GAP Year - auf Deutsch: Lückenjahr. Jetzt ist auch klar, warum es mal wieder das englische Wort sein musste, nicht, weil unsere Sprache nicht ausreicht, sondern, weil es fancier klingt und na ja "Lücke" ist wohl negativ behaftet. Ihr wisst schon die Lücken im Lebenslauf, die wir immer vermeiden müssen. Und trotzdem ist dieses Lückenjahr heute gefühlt ein Muss, eine Lücke nach dem unser zukünftiger Arbeitsgeber suchen wird.

Ich wollte direkt studieren! Schon vor der Oberstufe wusste ich, dass ich das Lückenjahr auslassen werde. Der Studienbeginn war mein Licht am Ende des Tunnels. Ich wollte keine Zeit verplempern. War am Ende genervt, wenn mir noch jemand vorschlug mir etwas Zeit zu nehmen. "Wenn's das zu meiner Zeit gegeben hätte.." Soll ich das Leben leben, das du nicht leben konntest? "Die ganzen wertvollen Erfahrungen.." Und Studenten sammeln keine Erfahrungen, weil sie mit Komasaufen beschäftigt sind und sich am Ende an nichts erinnern? "Du könntest frei und allein sein.." Ich möchte frei und allein selber definieren.

Und jetzt sitze ich hier in England. Habe 175 Tage Lückenjahr in England hinter mir und 23 Tage vor mir. Damit es poetisch klingt könnte man sagen: Das Leben hat mich zum Lückenjahr gezwungen. Man könnte auch sagen, dass ich einen dummen Fehler gemacht hab. So oder so hat es mit dem direkten Studiumsbeginn nicht funktioniert. Stattdessen hab ich mich in Mitleid gesuhlt, meinen Führerschein (fast) gemacht, als Praktikantin im Kindergarten gearbeitet und dann bin ich Au Pair geworden.


Was würde ich machen, wenn ich die Zeit zurück drehen könnte?
Ich würde den Knopf drücken! Nicht, weil Lückenjahre grundsätzlich Schwachsinn sind, sondern, weil es nichts für mich ist. Natürlich habe ich eine großartige Zeit hier in England gehabt. Habe einen kleinen und einen großen Menschen in mein Herz geschlossen, aber ich bin mir sicher, dass ich weiter wäre, würde ich im Juli nicht mein Au Pair Aufenthalt, sondern mein 2. Semester beenden. Und ich meine damit nicht die Karriereleiter. 

Was ich eigentlich sagen möchte:
Gefühlt hört man überall, dass man sich dieses Jahr nehmen sollte. Sowas Einmaliges, Besonderes, Bedeutendes sollte man sich nicht nehmen lassen. So eine Chance bekommt man kein 2. Mal. Und und und.. Mittlerweile "muss" man was besonderes vorm Studium machen, warum auch immer. Ich finde nicht. Mit Sicherheit ist das eine Erfahrung die einen besonderen Platz im Leben hat, wenn man mal zurück blickt, aber man verpasst nicht unbedingt was, wenn man diese Erfahrung auslässt und dafür andere sammelt.

Liebe Grüße Katrin

Kommentare:

  1. Mir ging's ähnlich nach dem Abi. Eigentlich alle meine Freunde haben sich ein Jahr Auszeit genommen - Work&Travel, AuPair, nichts tun - und für mich war das irgendwie zu dem Zeitpunkt nichts. Was witzigererweise kaum jemand verstanden hat. :) Dafür habe ich dann nach anderthalb Jahren das Studienfach gewechselt und war deswegen auch überhaupt nicht früher fertig als die anderen. :)

    Ich wünsche dir eine gute Restzeit - und dass du deinen Weg einfach so weitergehst, wie du eben willst. Steine wird's immer geben, aber zu wissen, was man will und sich nicht zu stark an anderen zu orientieren ist schon mal fein! :)

    Liebe Grüße,
    Sara

    www.saritschka.com

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    1. erstmal danke, dass du nicht nur regalmäßig vorbeischaust, sondern auch liest und kommentierst!!

      "schön", dass es nicht nur mir geht! gefühlt, hört man das viel zu wenig.. vielen Dank!:)

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  2. Für mich war das auch nichts mit dem Gap Year. In meinem Kurs waren wir fünf Mädels, vier davon sind für ein Jahr ins Ausland gegangen als Au Pair bzw. zum Work & Travel. Nur ich blieb daheim und fing sofort brav mein Studium an. Das hat damals auch niemand verstanden, selbst meine Klassenlehrerin wollte mich noch überreden :D Tja, ich hab halt schon immer etwas anders getickt und bloß weil es die anderen alle machen, muss ich das jetzt auch? Neeee! Von klein an hatte ich immer den Plan Abi zu machen und danach gleich an die Uni zu gehen. Und ich würde es wieder so machen! Als Student hat man genügend Zeit, um zu reisen und abgesehen davon mag ich es hier in Deutschland einfach viel zu gerne und drehe dann hier meine Touren...

    Ein sehr schöner reflektierter Text. Ich finde es großartig, dass auch mal jemand nicht so begeistert von der ganzen Sache ist und es auch anspricht. Mach weiter so!

    Liebe Grüße, Chrissie.

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    1. vielen Dank für deinen Kommentar! ich war mir ein bisschen unsicher mit dem Text und bin froh, dass er so verstanden wird, wie er gemeint ist :)
      leider bestätigt mich dein Kommentar, ich finde es schade, dass diese Ambition überhaupt nicht gewertschätzt wird - natürlich ist es mutig alleine das Land zu verlassen, aber sich bewusst dagegen zu entscheiden, bewusst für etwas zu entscheiden, ist auch immer mutig. So habe ich mir das auch gedacht, ich werde auf jeden Fall meine Zeit als Studentin nutzen und mir bewusst Zeit zum abschalten nehmen und dann ein bisschen mehr mein eigenes Land kennen lernen - hab das schon letzten Sommer gemacht und war begeistert von der kleinen Deutschlandtour :)

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